Posts mit dem Label Lochkartenverfahren werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lochkartenverfahren werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 31. Dezember 2008

3.13 Strategie-Vergleich


Diese Zahlen bewerten eine unterschiedliche Strategie, mit der beide Unternehmen in den Markt drangen: Remington suchte den Erfolg in der ganzen Bandbreite der Büroausrüstung. Eine homogene Vertriebsorganisation war dadurch nicht möglich. Dies führte zu erheblichen Reibungsverlusten.
Die durchstrukturierte Verkaufsorganisation Watsons zeigte dem Mitbewerber, dass Diversifikation im Produktbereich zu Frustration im Profitbereich führt. Die Konzentration führte zur Explosion, die die Marktlandschaft für Jahrzehnte zugunsten der IBM veränderte.
In dieser Situation, in der sich der einzige Wettbewerber verzettelte, konnte die IBM eine Stratgie kultivieren, die ihre Kunden völlig an sie band. Lochkartenmaschinen wurden damals ausschließlich vermietet. Damit war die ständige Verbindung zum Kunden gewährleistet. Dieses Verhältnis wurde noch dadurch vertieft, indem der Konzern die Anwender dazu zwang, einzig IBM-Lochkarten zu benutzen. Dabei wurde eine Begründung vorgeschoben, die zwar einleuchtend klang, es aber nicht war. Die VBs argumentierten wie heute, wenn es um Mixed Hardware geht: "Unsere umfassenden Anforderungen an die Lochkarte werden durch die Maschine bestimmt. Es ist zu befürchten, dass Lochkarten, die sich unserer Qualitätskontrolle entziehen, nicht den Leistungsmerkmalen unserer Produkte genügen. Das könnte zu Betriebsstörungen führen, für die wir selbstverständlich keine Verantwortung übernehmen können."
1936 verbot der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten diese Koppelei und befahl das erste Unbundlíng. Konsequenzen: gleich null. Denn fleichzeitig wurde die IBM zum Lochkarten-TÜV erhoben: Sie allein bestimmte die Qualität der Karten, mit denen auf ihren Produkten gefahren werden durfte.
Die Marktbeherrschung im Lochkartengeschäft blieb unberührt. Sie war dann auch die Voraussetzung für den Erfolg mit den Computern, wobei die Mitbewerber wieder in die Röhre guckten.

Samstag, 27. Dezember 2008

3.10 Kleine Lochkarten-Lehre


Foto: Raimund Vollmer, 2004: IBM-Museum in Sindelfingen

Wer IBM sagt, meint den Markt. Wer den Markt nennt, meint IBM. Die absolute Dominanz des Multis gründete sich seit jeher weniger auf einen Innovationsvorsprung, den IBM nur selten besaß, sondern eher auf die Verzögerung von marktträchtigen Inventionen. Nach dem Motto, dass der "Profit im eigenen Lande nicht zählt" ging ein junger deutschstämmiger Bergwerksingenieur im letzten Quartal des vergangenen Jahrhunderts in Land der begrenzten Unmlglichkeiten und profilierte sich als Volkszähler der neuen Nation. Für diese Auswertung entwarf dieser Mann namens Hollerith Zählblättchen, die er zu Lochkarten weiterentwickelte. 1884 meldete er mehrere Patente zur Lochkartentechnik an, die er 1890 für die elfte Volkszählung anwandte. Von da an ging das neue Volkszählwerk durch die ganze Welt.
Die typische Konfiguration einer Lochkartenanlage blieb über Jahrzehnte hinweg erhalten und änderte sich lediglich in den Verarbeitungsgeschwindigkeiten. Grundsätzliche Ausrüstungselemente waren der Lochkartenstanzer (Locher) für die Datenerfassung, die Sortiermaschine zur verarbeitungsgerechten Aufreihung der Daten und die rechnende Tabelliermaschine zur Auswertung und Auflistung der Informationen.
Watson erkannte sofort den kommerziellen Nutzungswert dieses Verfahrens.
Zu Beginn der zwanziger Jahre war das Lochkartenverfahren nahezu ausschließlich in der öffentlichen Hand. Der erste kommerzielle Anwender war die New York Central Railroad, die für Frachtstatistiken und Buchführung eine Anlage anmietete. Der Siegeszug der Datenverarbeitung und der IBM begann. Gleichzeitig kam es zur ersten Marktaufteilung. Während sich der Hollerith-Jünger Powers mit der Neuentwicklung von neuen Maschinen auf elektromechanischer Weise beschäftigte, setzte Watson auf die Anziehungskraft der elektromagnetischen Produkte. Zwar gewann Powers das renommierträchtige Projekt der 13. Volkszählung, doch er konnte kein marktbestimmendes Kapital daraus schlagen, da er Watsons Verkaufsmethoden nichts entgegenzusetzen hatte.
Bis zum Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts dominierte das Loch, obwohl ein großartiger Innovationsschub bereits die Vorzeichen des Computerzeitalters gesetzt hatte, Die massenhafte Verbreitung von Lochkarten und Lochkartenmaschinen konservierte über eine Dekade hinweg das Röhrenzeitalter, das 1946 mit der Entwicklung von ENIAC durch Remington Rand eingeläutet wurde. Watsons starres Festhalten am Lochkartenprinzip war dennoch kein Schaden. Denn sein überaus cleveres Management beherrschte die marktkonforme Verzögerungstaktik exzellent. Als IBM nach Jahren mit Computern auf den Markt kam, war es die einfachste Übung für die Profis, aus dem Lochkartengeschäft einen neuen Erfolg zu stanzen.

Dienstag, 23. Dezember 2008

3.8 Geschichtchen der DV

Bild: Herman Hollerith
Dieser Deutsche (Hollerith war deutschstämmig, d.Red.) stand in der Tradition von Denkern, die sich seit 2600 v. Chr. multinational mit der Entwicklung der Datenverarbeitung beschäftigten. Damals erfanden chinesische Rechenkünstler den Suan Pan. Der ägyptische Spross erfand 900 Jahre später die zweite prähistorische Generation auf den Weltmarkt, die weitere 1300 Jahre später als Abax in Griechenland auftauchte und die die Römer weitere 300 Jahre später zum Abakus perfektionierten. Danach: 1200 Jahre Denkpause. Erst der Spanier Lullus wagte sich 1275 wieder an den Entwurf einer Denkmaschine, die er für einen großangelegten Glaubensbeweis benötigte. Adam Riese (1520) und Wilhelm Schickard (1623) waren die ersten Deutschen, die in das Datenverarbeitungsgeschäft eingriffen. Schickard gilt als einer der Väter des Rechenmaschinenbaus, dessen sechsstellige Additions- und Subtraktionsmaschine der französische Philosoph Blaise Pascal um zwei Stellen erweiterte. Den technologischen Sprung auf ein System, das alle vier Grundrechenarten theoretisch beherrschte, schaffte Gottfried Wilhelm von Leibniz. Der Pfarrer Phillip M. Hahn, ein schwäbischer Tüftler, setzte Leibniz in die Praxis um und baute die erste funktionsfähige 4-Species-Rechenmaschine. So geschehen 1744.
Diese Maschine, die von Joseph-Marie Jacquard zum ersten "lochkartengesteuerten Prozessrechner" ausgefeilt wurde und deren Idee von Charles Babbage aufgegriffen wurde, war die Basis für den bis heute andauernden IBM-Erfolg, der von Herman Hollerith technologisch eingeleitet und von Thomas J. Watson kommerziell verwertet wurde.
Hollerith ist der Erfinder der Datenerfassung. Er setzte alles auf eine Karte, die eindeutig gezinkt war - durch das Loch. Damit hatte er die Neue Welt im Griff. Bei der amerikanischen Volkszählung in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts bewährte sich sein Lochkartenverfahren zum ersten Mal im Massentest.